Alla Liverant kam 2002 aus Odessa nach Deutschland. Von Beruf ist sie Buchhalterin bei einer Bank.

- Haben Sie versucht, hier einen Job zu bekommen?
- Ich habe von der Jobbörse keine Umschulung für meinen Beruf erhalten. Eigentlich möchte ich gerne im humanitären Bereich arbeiten.

- Was ist Ihre Leidenschaft?
- Ich interessiere mich für Musik und lese gern deutsche Bücher.

- Was lesen Sie?
- Grundsätzlich Memoiren. Vor kurzem las ich das Buch «Ich habe Köln doch so geliebt". Dies ist eine Sammlung von Erinnerungen der Kölner Juden an die Kriegszeiten: einige erlebten die Schrecken der Konzentrationslager, andere überlebten die Evakuierung, dritte hielten sich versteckt ... Mit großem Interesse las ich das Buch von Irina Korshunova "Klugheit hat seinen Preis". Ihr Vater war Russe, der nach der Revolution nach Deutschland emigrierte. Dieses Buch ist eine Familiengeschichte über Generationen hinweg.
Ich würde gerne in einer Bibliothek arbeiten. Aber bisher hat es nicht geklappt.

- Was können Sie über Ihr Leben in Deutschland sagen?

- Ich habe zu wenig Kommunikation. Ansonsten ist alles normal. Mein Sohn absolvierte das Gymnasium. Jetzt lernt er Produktion und Logistik in der Kölner Fachhochschule.

- Was ist das Wichtigste für eine Person in einem fremden Land?
- Das ist natürlich die Sprache. Es ist wichtig, sich einer fremden Kultur anzupassen und immer im Bilde sein, was hier passiert. Man muss einen Freundeskreis haben und erkennen, dass man in einem fremden Land nach deren Regeln leben soll.

- Was denken Sie über Integration? Sind Sie integriert?
- Ich kann nicht sagen, ob ich integriert bin, da ich nicht arbeite und keinen Kontakt zu Deutschen habe. Andererseits, lese ich Bücher auf Deutsch, interessiere mich für die Geschichte Deutschlands, insbesondere für die Geschichte der Stadt Frechen, wo ich lebe.

- Was erwarten Sie von dem Projekt AGH, was von PHOENIX geführt wird?
- Ich möchte weiter Deutsch lernen und meinen Wortschatz ergänzen, denn ohne regelmäßige Beschäftigung verliert man schnell die erworbenen Kenntnisse. Und ich  hoffe immer noch, eine Arbeit zu finden.

Bella Tkachenko

- Bella, die erste Frage ist ganz einfach: seit wann sind Sie in Deutschland? Wo kommen Sie her?
Wir kamen aus Moldawien, Kischinjow am 7. Oktober 2000: mein Mann, unsere Tochter und ein Enkelkind. Später kam auch der Schwiegersohn dazu.
 
- Warum entschieden Sie sich von dort wegzugehen, was waren Ihre Beweggründe?
Dort zu leben wurde sehr schwierig, fast unerträglich, sowohl materiell, als auch persönlich.
 
- Sie haben Ihr ganzes Leben lang gearbeitet. Erzählen Sie uns davon.
Ich arbeitete die meiste Zeit als Sekretärin im Krankenhaus, in einem Mutter-Kind-Zentrum. 24 Jahre auf einem Arbeitsplatz.
 
- Was ist Ihr Mann von Beruf?
Er ist ein Mechaniker und arbeitete sein ganzes Leben lang in einer Werkstatt. Zunächst als Geselle, später als Leiter der Werkstatt.
 
- Haben Sie ein gutes Leben zusammengelebt?
Wir leben fast 36 Jahre lang zusammen, ein Herz und eine Seele, und wir sind es heute noch.
 
- Bedauern Sie es, hierher gekommen zu sein?
Ich bereue es nicht. Absolut nicht.
 
- Sie sagten einmal, dass Sie sich hier sicher fühlen.
Tatsächlich. Als wir aus Moldawien nach Deutschland kamen, konnte ich zum ersten Mal seit vielen Jahren ruhig schlafen. Dort lebte ich ständig im Stress. Ich hatte immer das Gefühl, dass sie kommen,  um auch uns zu töten, nachdem sie schon unseren Sohn umgebracht haben ...Es war sehr schwer ... Ich hatte schreckliche Depressionen. Ein Jahr musste ich Medikamente nehmen und war immer am Weinen. Genauso ging es meiner Tochter. Mein Mann war auf einmal gelähmt, als er vom Mord an seinem Sohn erfuhr. Es war eine Menge Kummer...
 
- Erzählen Sie uns ein wenig, wie Sie hier leben. Sie nehmen an diesem Projekt teil. Kamen Sie freiwillig?
Ich war nach der Operation immer noch auf Krücken. Aber die ARGE schickte mich trotzdem zum Projekt.
 
- Ich denke, bei PHOENIX fühlen Sie sich, zumindest moralisch, gut?
Hier fühle ich mich wohl. Ich mag das Team, die Menschen, die freundliche Atmosphäre. Hier lernte ich viele nette Leute kennen. Wir feiern Geburtstage und Feiertage auch privat.
 
- Hilft dieses Projekt Ihnen die deutsche Sprache zu verbessern?
Ich konnte die Sprache ein wenig verstehen, weil ich schon vorher einen Sprachkurs absolviert hatte. Außerdem ist Deutsch meiner Muttersprache Jiddisch sehr ähnlich. Dadurch, dass man zu Hause Jiddisch sprach, kannte ich schon viele Worte. Mein Mann und ich sind in der Lage unsere Angelegenheiten bei den Behörden selbst zu erledigen, ohne einen Dolmetscher. Aber ich habe ein Problem mit der Grammatik. Unsere Lehrerin bei PHOENIX, Irina Stammwitz, kann sehr gut erklären. Ich erhalte von Ihr eine Menge nützlicher Informationen.
 
- Haben Sie ein Hobby?
Mein Hobby ist das Kochen. Ich liebe es zu backen und zu kochen. Das Praktikum  absolvierte ich im russischen Laden. Es gefiel mir auch mit Menschen zu arbeiten und sie zu beraten. Körperlich war es für mich recht schwierig, vor allem wegen meiner Krankheit und meines Alters. Ich bin fast 60 Jahre alt.
 
- Wo arbeiten Ihre Tochter und Ihr Schwiegersohn?
Meine Tochter ist Choreographin. Seit vielen Jahren tanzte sie und unterrichtete Tanzen. Hier arbeitet sie in einem Brautmodengeschäft als Verkäuferin. Mein Schwiegersohn ist Dolmetscher  für Französisch und Spanisch, kann nahezu perfekt Rumänisch. Und jetzt arbeitet er bei der Telekom, installiert Telefone und Internet bei den Kunden.
 
- Und Ihr Enkel?
Mein Enkel ist in der 10. Klasse des Gymnasiums in Frechen. Er interessiert sich sehr für Musik, er mag es sehr zu improvisieren. Außerdem ist er Mitglied in einem Fitness-Club.
 
- Fühlt er sich wohl in Deutschland?
Er ist hier zu Hause. Als wir ankamen, war er fünf Jahre alt und konnte kein Wort Deutsch. Wir hatten Glück, dass in Königsdorf eine gute Grundschule ist, wo er sehr freundlich aufgenommen wurde. Die Lehrer und die Kinder behandelten ihn gut, manche Eltern luden ihn oft samstags zur Übernachtung ein, damit er sich schneller anpasst. Besonders Familie Rick half uns sehr. Seitdem pflegen wir zu Doris und ihrem Mann eine freundschaftliche Beziehung.
 
- Kann man es Integration nennen?
Ich würde sagen, ja. Ich selbst fühle mich hier wohl und sicher, genau wie meine Tochter und der Schwiegersohn auch. Sie sind in der Arbeit respektiert und Freunde haben sie auch. Hier ist natürlich das Leben leichter, als in Moldawien. Hier gibt es Perspektiven für meinen Enkel, die es dort nicht gab.
 
- Was möchten Sie PHOENIX für die Zukunft wünschen? Glauben Sie, dass dieses Projekt das Richtige für die Integration ist?
Ich denke schon. Ich wünsche mir, dass dieses Programm weiter fortbesteht. Wir organisieren Veranstaltungen für älteren Menschen, treffen dort unsere Landsleute. Bei der letzten Begegnung hatte ich jede Menge Spaß. Wir saßen beisammen, sangen die uns bekannten Lieder und erinnerten uns an die eigene Jugend - das ist Nostalgie. Ich freue mich, an der Organisation der Feier mitgewirkt zu haben.

Irina Gerdt

Irina Gerdt ist im Jahr 2004 zusammen mit ihrer Familie aus Alma-Ata nach Deutschland gekommen. Ihr ganzes Leben hat sie ihrem Mann und ihren Kindern gewidmet.

Wie haben Sie in Kasachstan gelebt? Bereuen Sie nicht dass Sie nach Deutschland umgezogen sind?
I. G.: Wir haben dort besser gelebt als hier. Wir hatten ein eigenes Haus. Mein Mann hat gearbeitet und immer gut verdient. Wir waren nie in Not.
Der Anfang in Deutschland war sehr schwer, denn außer unserem Vater konnte keiner von uns Deutsch. Nach und nach haben wir uns an die neue Heimat gewöhnt. Mein Sohn hat schon eine eigene Familie. Meine Tochter will eine Ausbildung machen. Meinen Kindern gefällt es hier zu leben.
Ich selbst bin auch zufrieden, weil meine ganze Familie, meine Mutter, mein Bruder und alle Angehörigen hier leben.
 
-Was halten sie von PHOENIX? 
I. G.: Mir gefällt es hier bei PHOENIX. Besonders interessant finde ich den Deutschunterricht. Mein Deutsch ist schon besser geworden, vor allem habe ich jetzt keine Angst mehr vorm Sprechen.
 
-Was erwarten Sie von Ihrem Leben hier in Deutschland?
I. G.: Ich träume davon, dass meine Tochter ihre Ausbildung beendet, dass mein Sohn einen guten Job bekommt, dass mein Enkelsohn  gesund und fröhlich bleibt. Dann bin ich auch glücklich.

Anonyme Teilnehmer

vor 11 Jahren kam ich aus Uzbekistans Hauptstadt Taschkent mit meine Frau und meine Kindern als Kontingent Flüchtlinge. Ich bin Ingenieur Geologe von Beruf, und habe Studium in der Taschkents Universität absolviert. Danach habe ich noch studiert und schließlich bekam ich Diplom Ingenieur der Moskauer Universität. 20 Jahre lang habe ich als Wissenschaftler gearbeitet, und oft verreiste ich mit Vorträgen nach Ausland.

Bachram ist ein perfekt ausgebildeter Mensch, er beherrscht ein hervorragendes Deutsch und perfektes Englisch.

-Welche berufliche Perspektive haben Sie hier in Deutschland?
B. N. 10 Jahre lang kämpfe ich dafür, dass ich so eine Perspektive bekomme, ein Jahr habe ich Praktikum gemacht in Forschungszentrum in Jülich. Dort mir wurde ganz deutlich gesagt, dass sie keinen von „Außen“ einstelle, sondern nur einheimischen Studenten und Doktoranden. Letzt endlich beziehe ich ALG 2, bin zu hause und schreibe wissenschaftlichen Artikeln über das Thema: Klima Veränderungen, schicke sie in entsprechende Forschungszentren, manchmal nehme ich teil an Veranstaltungen rund um wissenschaftlichen Themen, wenn Gast Forschungszentrum übernimmt meine Fahrkosten. Also übe ich die Tätigkeit, indem ich wissenschaftlichen Fortschritten von zu Hause sozusagen. Selbstverständlich hätte ich gerne für meine Tätigkeiten einem entsprechenden Lohn.
 
-Und Ihre Frau, Kinder, was machen sie?
B. N. Meine Frau ist Architektin. Hier wurde ihr sofort bekannt dass sie ihre Tätigkeit nicht ausüben darf, weil ihr Diplom nicht anerkannt ist, deshalb hat sie ein anderer Beruf gelernt und arbeitet momentan als Kunstlehrerin. Meine jüngere Tochter lernt in Gymnasium, meine ältere Tochter macht ihrem Studium in Aachener Uni, sie studiert Medizin.
 
-In Ganzem und Großem bereuen Sie, dass sie hier nach Deutschland umgezogen sind?
B. N. In Taschkent hatte ich gute Stellung, aber dort zu leben war gefährlich, hier ist die kriminelle Situation in Ganzem wesentlich stabiler als in Uzbekistan  dort fürchtete ich.
Für die Zukunft meiner Töchter. Bezüglich meiner beruflichen Karriere bereue ich, dass wir nicht nach Amerika nicht eingereist sind. Immerhin hoffe ich dass ich hier in Deutschland was für mich schließlich finden kann. Ich bin ständig auf die Suche. Letzte Brief habe ich geschickt nach National Aeronautics and Space Administration (NASA) geschickt mit der Bitte um Finanzierung. Warte jetzt auf die Antwort. Ich suche immer weiter, und hoffe dass mich vielleicht einen Job finde.
 
-Wie schätzen Sie sich bezüglich ihrer Integration in Deutschland?
B. N. Ich meine dass ich vollkommen integriert bin. Nur die Gesellschaft akzeptiert mich nicht. Ich aber würde mich in jede Sozium wohl fühlen.
 
Die frechener Jobbörse hat Sie zur AGH nach PHOENIX angewiesen, indem sie rechnet damit dass, das Ihnen beruflich weiterhelfen wird.
Wir wünschen Ihnen viel Glück.

Irina Stammwitz

- Irina, was bedeutet für dich persönlich das Wort „Integration“?
- Ich habe viel über dieses Wort nachgedacht, ich würde Integration als Eingliederung in die neue Gesellschaft bezeichnen.
-Und ist es dir gelungen, dich in die deutsche Gesellschaft einzugliedern? Schließlich lebst du schon seit 18 Jahren hier…
- Leider nicht, trotz der Tatsache, dass ich 14 Jahre mit einem Deutschen verheiratet war und all die Jahre deutsche Umgebung hatte.
- Und warum nicht? An den mangelnden Deutschkenntnissen, wie bei vielen unseren Landsleuten, kann das ja nicht liegen…
- Schwer zu sagen, ich habe immer sehr deutlich gespürt, dass ich irgendwie anders bin… Es fiel mir schwer, Freundschaften mit Deutschen zu schließen. Ich hatte immer das Gefühl – sie lassen keine richtige Nähe zu.
- Ist das ein allgemeines Problem von allen russischen Frauen, die mit deutschen Männern verheiratet sind?
- Wie gesagt, ich kann nur von meinen persönlichen Erfahrungen sprechen... Was mich und meinen Ex-Mann betrifft, wir hatten, zum Beispiel, keine gemeinsamen Freunde. Wenn wir zu seinen deutschen Freunden eingeladen waren, hatte ich mich zu Tode gelangweilt, und er konnte sich mit meinen russischen Bekannten nicht unterhalten.
- Du hättest ja übersetzen können…
- Habe ich auch versucht, aber wenn eine Party richtig losgeht, dann ist es kaum noch möglich – alle reden durcheinander, es werden Witze erzählt, alle sind am Lachen, nur mein Mann sitzt da und versteht kein Wort… Alle fühlten sich unwohl dabei…
- Wenn du dein Leben rückgängig machen könntest, würdest du deine Entscheidung, nach Deutschland zu kommen, noch mal treffen?
- Ich denke schon, weil meine Kinder hier auf jeden Fall ein besseres und sicheres Leben haben. In Russland würde ich ständig Angst um sie und um ihre Zukunft haben…
- Erzähl bitte mehr über dich. Woher kommst du, was hast du studiert?
- Ich bin in Tscheljabinsk geboren, studierte Anglistik und Germanistik an der pädagogischen Hochschule. Nach dem Studium habe ich als Englischlehrerin gearbeitet – manchmal in zwei Schichten, von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Ich kam nach Hause völlig erschöpft, aber absolut glücklich. Mein Beruf hat mir unheimlich viel Spaß gemacht.
-Du hast dein Leben in Russland in deinem Buch, das bis heute leider noch nicht veröffentlicht worden ist, beschrieben. Ich habe es mit großem Interesse gelesen. Es ist in einem wunderschönen Russisch geschrieben – so leicht und angenehm zu lesen. Ich weiß, dass du ein zweites angefangen hast, sozusagen, eine Fortsetzung. Wann hast du dein literarisches Talent entdeckt?
- Erst hier, in Deutschland. Man sagt ja nicht umsonst, dass manchmal in kritischen Situationen Menschen in sich Fähigkeiten entdecken, von denen sie nicht mal geahnt haben. Für mich war Schreiben eine Art Psychotherapie - es hat mir unheimlich geholfen, mit Heimweh umzugehen. Ich habe einfach meine Erinnerungen dem Papier anvertraut und dabei selber nicht geglaubt, dass daraus irgendwann ein Buch wird, das Menschen zum Weinen und zum Lachen bringen kann.
- Das eigene Leben zu beschreiben ist sicherlich nicht einfach.
- Ich kann mich ganz genau an den Moment erinnern, als ich ganz gemütlich und entspannt im Sessel saß und plötzlich einen Text im Kopf hatte – die Zeilen bildeten sich von selbst, wie von einer unbekannten Stimme diktiert. In diesem Augenblick dachte ich einfach aus Spaß – das könnte ja ein guter Anfang für mein zukünftiges Buch sein. So hat die ganze Geschichte angefangen…
- Könntest du das Buch ins Deutsche übersetzen?
- Ich glaube nicht. Es ist eine harte Arbeit. Ich bin kein professioneller Übersetzer. Außerdem, viele Gegebenheiten unseres Lebens lassen sich sehr schwer oder gar nicht übersetzen.
- Identifizieren sich deine Kinder als Russen – auch wenn sie nur zur Hälfte Russen sind?
- Ich hoffe schon. Ich versuche mit meinen Kindern russisch zu sprechen. Bei uns läuft die ganze Zeit russisches Fernsehen, ich koche russische Gerichte. Meine Kinder sind von den Zeichentrickfilmen begeistert, die ich auch als Kind geliebt habe. Früher konnten sie viele russische Gedichte. Ich hoffe sehr, dass sie etwas von russischer Lebensart behalten werden.
- Es herrscht inzwischen die Meinung, dass Integration in Deutschland gescheitert ist. Was denkst du darüber? Müssen sich Politiker vielleicht intensiver mit dem Thema beschäftigen?
- Schwer zu sagen, ich verstehe nicht viel von Politik. Meiner Meinung nach, der einfachste Weg, Ausländer in die deutsche Gesellschaft zu integrieren, ist, ihnen den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern. Aber wenn wir allgemein über das Thema „Integration“ sprechen, dann ist es normaler Lauf der Dinge, daß die erste Generation der Migranten sich fremd in der neuen Gesellschaft fühlt. Deswegen bleiben sie unter sich. Das betrifft nicht nur die Russen. Deutsche im Ausland verhalten sich genau so – sie gründen deutsche Clubs, öffnen deutsche Bäckereien und Metzgereien, trinken deutsches Bier, pflegen deutsche Traditionen.
- Wie gefällt es dir bei PHOENIX? Ich weiß, dass du hier unter anderem Deutsch unterrichtest.
- Ich fühle mich sehr wohl, weil ich mit meinen Landsleuten zusammen bin. Außerdem, bin ich sehr glücklich darüber, dass ich, nach einer langen Pause, wieder meinen Beruf ausüben kann, der mir sehr viel Spaß macht.

Andrej Flaum.

Andrej Flaum lebt in Deutschland seit März 2005. Er hat eine Frau, zwei Kinder, Mutter, Brüder, Schwestern, Neffen.

Andrej ist Schweißer von Beruf. Sein Beruf ist in Deutschland anerkannt. Er beherrscht verschiedene Verfahren des Schweißens. Wegen einer  Verletzung ist seine Schulter nicht mehr vollbelastbar. Das ist sehr schlecht, denn  in seinem Beruf muss man fast immer schwere Teile heben um sie zu schweißen und zu montieren. Das ist eine  körperlich schwere Arbeit.

- Was interessiert Sie neben ihrem Beruf?

A.F.: Ich begeistere mich sehr für Computer. Ich bringe mir alles selbst bei und könnte mich Tag und Nacht damit beschäftigen. Jetzt möchte ich Computerkurse finden, weil es sehr interessant ist und mir gefällt…

- Was halten Sie von dem laufenden Projekt bei PHOENIX?

A.F.: Das ist ein sehr interessantes Projekt. Ich sehe eine Menge Pluspunkte. Alle bekommen  interessante Aufgaben die verständlich erklärt werden, man kriegt Hilfe richtig Bewerbungen zu schreiben und Unterstützung eine Praktikumsstelle zu finden. Ich hoffe auch auf guten Rat bei der Jobsuche.

- Brachte der Umzug nach Deutschland eine günstige Wendung für ihr Leben?

 A.F.: für die Kinder, natürlich ja. In erster Linie ist es die Möglichkeit, die Hochschulbildung zu bekommen. In Usbekistan, bei unserer Finanzlage, könnte meine Tochter wohl keine Hochschulbildung kriegen. Hier hat sie das Gymnasium erfolgreich absolviert und studiert an der Kölner  Universität  Sozialwissenschaft.  Und für uns selbst? Es ist schwer zu beantworten, weil Integration eine komplizierte Aufgabe für erwachsene Menschen ist. Aber wir bemühen uns...!

Alexander N.

kam vor 11 Jahren mit seiner Frau und Kindern als Kontingent-Flüchtling aus Uzbekistans Hauptstadt Taschkent nach Deutschland. Er ist Ingenieur-Geologe von Beruf und absolvierte sein Studium an der Universität von Taschkent. Danach studierte er weiter und wurde Diplom-Ingenieur an der Moskauer Universität. 20 Jahre lang arbeitete er als Wissenschaftler und verreiste oft zu Vorträgen ins Ausland. Alexander ist ein sehr gut ausgebildeter Mensch, beherrscht hervorragendes Deutsch und perfektes Englisch.

Welche berufliche Perspektive haben Sie hier in Deutschland?
- 10 Jahre lang kämpfte ich dafür, eine Perspektive zu bekommen, absolvierte ein einjähriges  Praktikum im Forschungszentrum Jülich. Dort wurde mir ganz deutlich gesagt, dass sie keinen von „ Außen“ einstellen, sondern nur einheimische Studenten und Doktoranden. Letztendlich beziehe ich ALG 2, sitze zuhause, schreibe wissenschaftliche Artikel über das Thema “ Klimaveränderungen“ und schicke sie zu den entsprechenden Forschungszentren.
Manchmal nehme ich an wissenschaftlichen Veranstaltungen teil, wenn die andere Seite sich bereit erklärt, meine Fahrtkosten zu übernehmen. Also übe ich die Tätigkeit von zu Hause aus. Selbstverständlich möchte ich gerne für meine Arbeit einen entsprechenden Lohn  bekommen.
Und Ihre Frau und Kinder? Was machen sie?
- Meine Frau ist Architektin. Hier wurde ihr gesagt, dass sie in ihrem Beruf nicht arbeiten kann. Deshalb hat sie umgeschult und unterrichtet die Kinder in Zeichenkunst. Meine jüngere Tochter besucht das Gymnasium, die ältere studiert an der Uni in Aachen, sie will Zahnärztin werden.
Im Großen und Ganzen, bereuen Sie es nicht, nach Deutschland umgezogen zu sein?
- In Taschkent hatte ich eine gute Stellung, aber dort zu leben war gefährlich. Hier kann ich mich auf die Straße begeben, ohne Angst zu haben, überfallen zu werden. Dort fürchtete ich um meine Töchter.
Bezüglich meiner beruflichen Karriere bereue ich, nicht nach Amerika ausgewandert zu sein. Immerhin hoffe ich, dass ich hier in Deutschland etwas für mich finde. Ich bin ständig auf der Suche. Meinen letzten Brief habe ich an „National Astronomical Services of America“ mit der Bitte um Finanzierung geschickt. Jetzt warte ich auf die Antwort.
Ich werde auch weiter versuchen, einen Job in meinen Beruf zu finden.
Wie schätzen Sie Ihre Integration in Deutschland ein?
- Ich glaube, dass ich vollkommen integriert bin. Das ist die Gesellschaft, die mich nicht akzeptiert. Ich aber würde mich in jedem Milieu wohl fühlen.
Die Frechener JobBörse schickte Sie zur AGH PHOENIX, damit Ihnen beruflich weitergeholfen wird, obwohl Sie kein gewöhnlicher Arbeitsloser sind. Wir wünschen Ihnen viel Glück.

HERR LEMBERSKIY

Wann sind Sie nach Deutschland übersiedelt?
- Ich bin 2007 nach Deutschland gekommen.
 
Sind Sie alleine gekommen?
- Ich bin mit meiner Frau und meiner Mutter gekommen.
 
Was hat Ihre Entscheidung beeinflusst, nach Deutschland zu ziehen?
- Mein ältester Sohn, zu dem ich eine sehr enge Beziehung habe, wohnt schon  seit 1995 in Deutschland. Er und ich haben  immer geträumt, dass alle unsere Verwandten nah zusammen wohnen können. Heute sind wir diesem Traum sehr nah gekommen, denn jetzt leben meine Frau, mein neugeborener Sohn, meine Mutter und ich auch in Deutschland.
 
Was sind Sie von Beruf? Wo und was haben Sie gearbeitet?
- Ich war viele Jahre  Musiker, ich hatte Musik studiert. Weil ich keine Arbeit  als Musiker finden konnte, habe ich eine Stelle in einem Großhandelsunternehmen angenommen. Dort, in Sankt Petersburg,  habe ich bis zu meiner Übersiedlung gearbeitet.
 
Sind Sie mit Ihren Leben in Deutschland zufrieden?
- Die Frage  kann  ich  nicht eindeutig beantworten.
Ich mag deutsche Ordnung, Disziplin, gute Autobahnen, gute öffentlichen Verkehrsmittel,  das vielfältige Warenangebot  in den Supermärkten und das funktionierende Sozialversicherungssystem. Leider bin ich jetzt arbeitslos, trotz aller meinen Bemühungen eine Stelle zu finden. Ich habe verstanden, dass alle meine bisherigen Kenntnisse und Fähigkeiten in Deutschland nicht gebraucht wurden.
 
Haben Sie sich in deutsche Gesellschaft integriert?
- Nein.
 
Wie sehen Sie ihre Zukunft in Deutschland?
- Zurzeit sehe ich mich als Erzieher meines jüngsten Sohnes. Ich gebe mir alle Mühe, dass mein Sohn ein ausgebildeter, hoch qualifizierter Mitglied der deutschen Gesellschaft wird. Ich möchte, dass  mein Sohn viele Sprachen  lernt und Möglichkeiten hat alle seine Wünsche zu verwirklichen.
 
Was halten Sie von Projekt PHOENIX?
- Ich finde dieses Projekt sehr nützlich für russische Leute. Ich finde, dass alle Teilnehmer 
sehr nette Menschen sind. Ich hoffe, dass PHOENIX vielen hilft, eine Arbeit zu finden.

Maria B.

 
Wann sind Sie nach Deutschland übergesiedelt?
- Ich bin Ende 2002 nach Deutschland gekommen.
 
Sind Sie mit ihrer Familie oder allein nach Deutschland gekommen?
- Wir sind zu dritt gekommen. Mein Mann meine ältere Schwester und ich.
 
Welche Status haben Sie hier (Kontingent Flüchtling, Spätaussiedler, Asylberechtigte)?
- Ich bin Kontingent Flüchtling.
 
Was hat ihre Entscheidung beeinflusst  nach Deutschland zu kommen? Wo kommen Sie her?
- Ich wurde in einer großen Stadt in der Ukraine geboren. Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es in unserer Stadt eine große deutsche Gemeinde. Meine Mutter hat die deutsche Schule besucht und sie hat Deutsch hervorragend beherrscht. Sie hat mir viel über deutsche Musiker, deutsche Dichter und über deutsche Lebensart erzählt. Sie war Kinderärztin  von Beruf und später hat sie sogar medizinische Artikel vom Deutschen ins Russische übersetzt. Ich habe immer geträumt Deutschland und Österreich zu besuchen. Für meine Jugendzeiten wurde es populär Englisch zu lernen. Deshalb haben meine Eltern entschieden, dass ich eine ukrainische - englische Schule besuche und die englische Sprache lerne. Wenn ich nur früher gewusst hätte, dass ich nach Deutschland übersiedeln  würde…! Als ich 1998 mich erkundigte, war ich sehr froh als Kontingent Flüchtling nach Deutschland übersiedeln zu können.
 
Was sind Sie von Beruf? Wo und was haben Sie gearbeitet?
- Ich bin Hafenanlagenbauingenieurin (Hydrotechnikerin) von Beruf. Meine Lebenssituationen hat mich gezwungen immer in der Nahe von meinem Haus zu arbeiten. Deshalb habe ich  lange Zeit als Bauingenieurin in verschiedenen Unternehmen gearbeitet, die nichts mit Hydrotechnik zu tun haben. Ich habe Bauarbeiten überwacht und Kostenabrechnungen kontrolliert. Als unsere ukrainische Bauindustrie nach und nach fast still gelegt wurde, wechselte ich zu einem privaten Großhandelsunternehmen und habe dort als Sekretärin und später als  leitende Angestellte gearbeitet. Von Anfang 2001 bis Ende 2002 habe ich als Sekretärin und Übersetzerin bei der gemeinnützigen Wohltätigkeitsorganisation „JOINT“ gearbeitet.
 
Sind Sie mit Ihrem Leben in Deutschland zufrieden?
- Ja, bestimmt. Freundlichkeit von deutschen Menschen, schöne Städte, Ordnung, perfekte Autobahnen, viele Sehenswürdigkeiten gefallen mir so sehr. Es tut mir leid, dass ich nicht jung bin. Zur meinem Bedauern kann ich bislang keine normale Arbeit finden. Ich vermute, dass mein Alter und meine Herkunft die wichtigsten Ursachen für meine Arbeitslosigkeit sind. Aber solange ich gesund bin, fühle ich mich glücklich. Die Gesundheit ist doch das Wichtigste im Leben.
 
Haben Sie sich in die deutsche Gesellschaft integriert?
- Schwere Frage. Wenn ich nur arbeiten könnte… Ich bin sehr umgänglicher Mensch. Ich bin immer wissbegierig. Es macht mir Spaß neue Leute kennen zu lernen. Ich habe 3 deutsche Bekannte, mit denen ich mich gerne unterhalte. Aber leider haben wir nicht oft die Gelegenheit dazu.
 
Wie sehen Sie ihre Zukunft in Deutschland?
- Wenn ist nur möglich wäre, als Bauingenieurin in Deutschland zu arbeiten, wäre ich  sehr glücklich. Aber mit der Zeit habe ich verstanden, dass es unwahrscheinlich ist. Ich mag Geschichte, Architektur und Kunst. Es ist mein Traum, als Reiseleiterin in einem russischen Reisebüro zu arbeiten.
 
Was halten Sie von heutigem Projekt von PHOENIX?
- Ich meine, dass so eine Organisation wie PHOENIX sehr wichtig für russische Menschen ist. Hier können wir unsere Kenntnisse verbessern, neue Kontakte finden und hilfreiche Information erhalten. Die Leitung finde ich sehr professionell und hilfsbereit.

Peter S.

kam vor 18 Jahren nach Deutschland. In Kasachstan war er ein professioneller Fahrer, Installateur und Elektriker. Außerdem beherrscht er die Schweißtechnik und kann Bagger fahren. Aber ironischerweise hat Peter für keinen dieser Berufe Papiere.
Kurz nach seiner Einreise hat er einen Job als Dachdeckerhelfer gefunden. Der Beruf musste nicht von ihm erlernt werden, da er ihn schon konnte. Er arbeitete 11 Jahre bei der Firma. Als diese Arbeit beendet war, stand er vor einem Problem: er kann in vielen Bereichen arbeiten, aber ohne Zeugnisse wollte ihn keiner einstellen. Und ein solcher Spezialist ist eine Bereicherung für jede Firma.
 
Was erwarten Sie von PHOENIX?
- Ich möchte meine Deutschkenntnisse verbessern. Sprechen kann ich fast fehlerfrei, aber richtig schreiben ist schwierig.
 
Was Ihrer Meinung nach, ist der Unterschied zwischen dem Leben in Deutschland und dem in der GUS? Glauben Sie zu Hause angekommen zu sein?
- Damals hatten wir das Gefühl, in ein kapitalistisches Land zu gehen, während wir zuvor im Sozialismus gelebt hatten. Es war uns nicht klar, wo wir hier landen würden und was uns in Zukunft erwartet. Nun scheint es, dass die Unterschiede nur in der Sprache liegen: hier spricht man eine Sprache, da – eine andere. Und dann noch der Papierkram.
 
Was denken Sie über Integration?
- Es ist wahrscheinlich eine politische Frage. Irgendwie habe ich nie darüber nachgedacht.
 
Kann man sagen, dass Ihre Tochter sich hier zu Hause fühlt?
- Ja. Sie ging hier in den Kindergarten und in die Schule, und nun macht sie eine Ausbildung.
 
Was glauben Sie, ist für einen Menschen das Wichtigste im Leben in einem anderen Land?
- Eine gute Ausbildung und ein normaler Job.
 
Und im Privatleben? Warum gibt es so viele Scheidungen unter Einwanderern?
- Jeder hat sein eigenes Privatleben. Alle leben unterschiedlich, man kann nicht verallgemeinern. Die Ehen werden geschieden, weil die Frauen hier mehr Rechte haben, als zu Hause, das verursacht Meinungsunterschiede
 
Was sind Ihre Interessen? Was sind Ihre Hobbys?
- Etwas mit eigenen Händen anfertigen. Es soll nicht nur mir, sondern in erster Linie auch den anderen gefallen.

Viktoria K.

 
Wann sind Sie nach Deutschland übergesiedelt?
- Ich bin im November 2004 gekommen.
 
Sind Sie allein nach Deutschland gekommen?
- Ich bin mit meinem Mann und meinem Sohn gekommen.
 
Welche Status haben Sie hier? (Kontingent Flüchtling, Spätaussiedler, Asylberechtigte)?
- Ich bin Kontingent Flüchtling.
 
Was hat ihre Entscheidung beeinflusst  nach Deutschland zu kommen? Wo kommen Sie her?
- Da ich kaukasischer Abstammung bin, habe ich sehr unter Nationalismus gelitten. Mein Mann ist Jude. Unsere Familie war deshalb, leider, auch antisemitischen Übergriffen ausgesetzt. Wir hatten keine Chance gefahrlos zu leben. Darum haben wir uns immer wieder besonders große Sorgen um die Zukunft unseres Sohnes gemacht Es gab für uns nur einen Ausweg aus dieser Situation: Die Übersiedlung in ein demokratisches und politisch stabiles Land wie Deutschland.
 
Was sind Sie von Beruf? Wo und was haben Sie gearbeitet?
- Ich bin Lehrerin für Französisch und Russisch. Ich habe am „Nemtchinov“ - Gymnasium in Moskau Gebiet Französisch unterrichtet. Da unsere wirtschaftliche Situation immer schwerer wurde und die Lehrerinnen oft Monate lang kein Gehalt bekamen, habe ich bei einem privaten Unternehmen eine Stelle als Sales Managerin angenommen. Dort habe ich bis zu meiner Übersiedlung gearbeitet.
 
Sind Sie mit Ihrem Leben in Deutschland zufrieden?
- Ja, ich bin zufrieden. Die deutsche Art zu leben gefällt mir. Ich schätze sehr, dass Deutschland eine stabile Wirtschaft hat. Ich bin froh meine Sprachkenntnisse verbessern zu können. Ich hoffe, dass meine Familie gute Perspektive hat.
 
Haben Sie sich in die deutsche Gesellschaft integriert?
- Ich denke, dass meine Integration erfolgreich ist. Zurzeit bemühe ich mich mein Diplom anerkennen zu lassen. Ich muss noch einige Prüfungen ablegen. Ich bin fest davon überzeugt, dass ich danach imstande bin, eine Arbeit zu finden, die meiner Qualifikation entspricht. Ich finde, dass die Deutschen sehr freundlich sind und es macht mir Spaß, mich mit ihnen auf Deutsch zu unterhalten.
 
Wie sehen Sie ihre Zukunft in Deutschland?
- Ich hoffe, dass ich als Lehrerin arbeiten werde und dann später auch eine Rente beziehen kann. Ich wünsche mir, dass mein Sohn eine gute Ausbildung macht und später in verschiedenen Ländern arbeiten und wohnen kann.
 
Was halten Sie von heutigem Projekt von PHOENIX?
- Ich habe eine sehr positive Einstellung zu PHOENIX Ich habe durch PHOENIX viele nützliche Kenntnisse erworben. Ich bedanke mich bei der professionellen Leitung von PHOENIX und den netten Kollegen.